Luftschutzzellen Alphabetisch geordnet nach Herstellern:

Dywidag
Humerohr
Klöcknerwerke AG.

Mannesmann (NEU)
Westermann & Co. 
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Splitterschutzzellen der Bauart Dywidag 

Wer kennt sie nicht, diese kleinen Luftschutzbauten. Zu hunderten wurden diese "Ein-Mann-Bunker" oder "Beobachtungsbunker" wie sie im Volksmund auch genannt werden, gebaut. Es gab sie in vielen verschiedenen Ausführungen von mehreren Anbietern wie den Firmen Westermann, Dietel oder Humerohr. Es gab Splitterschutzzellen aus Stahl, aus Beton, gemauerte Ausführungen, für eine Person, für mehrere Personen und mit Wandstärken von 10 - 50 Zentimetern. Am häufigsten wurden die Splitterschutzzellen an Einzelarbeitsplätzen (wie z.B. Schrankenwärter) aufgestellt. Es gab sie aber überall, obwohl die Reichsbahn wohl der beste Kunde der Firmen war, welche Splitterschutzzellen herstellten. Am häufigsten vertreten war die Splitterschutzzelle der Firma Dywidag. Dywidag steht für die Betonwerke Dykerhoff & Widmann AG mit Hauptsitz in Cossebaude bei Dresden. Die Betonwerke hatten mehrere Zweigstellen in ganz Deutschland. Auch heute ist die Firma noch präsent und betreibt mehrere Beton- und Zementwerke nebst Kalksteinbrüche wie zum Beispiel in Lengerich/Westfalen am Teutoburger Wald. Die Dywidag-Zellen wurden zwischen den Jahren 1941 und 1945 hergestellt und waren weit verbreitet. Noch heute sind sie in allen Teilen Deutschlands, aber auch im benachbartem östlichen Ausland, den ehemals besetzten Ländern wie Polen zu finden.

 Splitterschutzzelle mit zwei Eingängen

Die Firma Dywidag stellte die Splitterschutzzellen in verschiedensten Größen her. Alle Splitterschutzzellen vom Typ Dywidag wurden aus stahlbewehrten Rüttelbeton hergestellt. Sie bestehen aus einem zylinder-förmigen, runden Hauptkörper mit Bodenplatte von 15 Zentimeter Wand- und Bodenstärke. Der Hauptkörper der Splitterschutzzelle verfügt über eine doppelte Stahlbewehrung. Diese besteht aus vier innenliegenden Matten aus Baustahlgewebe von 50 x 50 mm Maschengewebe und einer Drahtstärke von fünf Millimetern. In der Bodenplatte befindet sich eine kreuzweise eingearbeitete Bewehrung aus Stahl mit einer Stärke von 8mm und 15mm. Der Körper der Dywidag-Zelle wurde in einem Arbeitsschritt, im sogenannten Rüttelverfahren hergestellt. Die leicht kegelförmige Kappe der Splitterschutzzelle wurde getrennt hergestellt und mitgeliefert. Auch die Kappe besteht aus Rüttelbeton und hat eine eingefügte Bewehrung von acht Millimeter starkem Stahl. Die Kappen der Splitterschutzzellen gab es in verschiedenen Stärken von 15 bis 53 Zentimetern. 

 Kappe einer Dywidag-Zelle

Nach dem Aufbau der Splitterschutzzelle musste die Kappe mit dem Hauptkorpus verschraubt werden. Die Aussparungen in der Kappe sollten wenn möglich noch mit Zementmörtel vergossen werden um die maximale Sicherheit des Kleinbunkers zu gewährleisten. Selbiges gilt auch für die Fugen. Die Dywidag-Splitterschutzzellen gibt es Ein- oder Zweitürig. Die Ein- und Ausgänge bestanden ebenfalls aus stahlbewehrten Beton. Die Türen haben eine Größe von 60 x 80 Zentimetern und wurden vierzig Zentimeter oberhalb der Zellenunterkante eingebaut. Die zweite Tür war als Notausgang gedacht. Die meisten Dywidag-Zellen hatten jedoch nur eine Tür. Die Türen konnten von innen und von außen verriegelt werden. Zur Rundumbeobachtung des Geländes sind in jeder Dywidag-Zelle splittersichere Sehschlitze von 2 mm Größe werksmäßig eingelassen. Die Sehschlitze befinden sich in einer Höhe von etwa 1.65 Meter. Gasdicht waren die Kleinstbunker allerdings nicht, so daß der Insasse gezwungen war, eine Gasmaske mitzuführen. Zwecks des sicheren Stands der Splitterschutzzelle sollte diese mit dem Standort verschraubt werden. Deshalb wurde die SSZ mit 35mm starken, gleichmäßig verteilten Löchern in der Bodenplatte ausgeliefert. Die erforderlichen Schrauben wurden allerdings nicht mitgeliefert und mussten vor Ort besorgt werden. Soviel zur Grundausstattung einer Dywidag-Splitterschutzzelle. Im späteren Verlauf des Krieges wurden die Luftschutzzellen auch mit größerer Wandstärke hergestellt und angeboten. Es gibt die Dywidag-Zellen in verschiedenen Größen für 1-3 Personen Kenn-Nummer RL 3 - 41 / 63. (Falls jemand eine Dywidag-Splitterschutzzelle für mehr Personen kennt, der möge sich bitte bei uns melden!)

© Eismann, 2008

 Dywidag-Zelle macht Kopfstand

Das Splitterschutzzellen gerne mal von Steinbruchunternehmen genutzt werden, war uns ja bekannt, aber so???

Häufig dienen diese Mini-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg noch heute ihrer eigentlichen Bestimmung, nämlich zum Personenschutz bei Detonationen. Von Luftangriffen geht heute zum Glück keine Gefahr mehr aus, dennoch erfreuen sich Splitterschutzzellen bei Steinbruchunternehmen größter Beliebtheit. Bei Sprengarbeiten im Steinbruch kann der Sprengmeister das Gelände gut überblicken und geschützt vor Stein-Schrappnellen (Splitter)  die Zündung durchführen. So weit, so gut - nur warum steht die Dywidag-Splitterschutzzelle bei Ibbenbüren auf dem Kopf? Ein neuer Sehschlitz wurde in die Stahltür geschnitten um die Funktionsweise zu wahren. Wahrscheinlich ging die Kappe der Zelle durch einen unglücklichen Umstand verloren, oder der Transport innerhalb des Steinbruchs war zu aufwendig. Wie auch immer, alles kann - nichts muss!

Dywidag Splitterschutzzelle für 1 - 2 Personen:

 Dywidag-Splitterschutzzelle mit Stollenmundloch

Die von uns ermittelten Maße der Dywidag-Zelle für 1 – 2 Personen:

Außendurchmesser: 120 Zentimeter
Innendurchmesser: 90 Zentimeter
Wandstärke: 15 Zentimeter
Innenhöhe: 180 Zentimeter
Gesamthöhe: 230 Zentimeter
Kappenhöhe: 40 Zentimeter
Türhöhe: 80 Zentimeter
Türbreite: 60 Zentimeter
Scharten außen: (Breite x Höhe) 22 x 7,5 Zentimeter
Scharten innen: (Breite x Höhe) 10 x 1 Zentimeter
Anzahl der Scharten: 4 Stück
Ein- bzw. Ausgänge: 2 Stück
Verankerung im Fundament: 6 Löcher

 Typenschild Dywidag-Luftschutzzelle

Dywidag-Luftschutzzelle
für 1 - 2  Personen
Kennummer RL 3 – 41 / 63
Vertrieb gemäß § 8 Luftschutzgesetz genehmigt
Dyckerhoff u. Widmann, KG
Betonwerk Neuss am Rhein

Dywidag Splitterschutzzelle für 2 - 3 Personen:

 Größenvergleich

Die von uns ermittelten Maße der Dywidag-Zelle für 2 – 3 Personen:

Außendurchmesser: 140 Zentimeter
Innendurchmesser: 110 Zentimeter
Wandstärke: 15 Zentimeter
Innenhöhe: 180 Zentimeter
Gesamthöhe: 230 Zentimeter
Kappenhöhe: 40 Zentimeter
Türdicke 0,6 Zentimeter (Stahlblech)
Scharten außen: (Breite x Höhe) 22 x 7,5 Zentimeter
Scharten innen: (Breite x Höhe) 10 x 1 Zentimeter
Anzahl der Scharten: 4 Stück
Ein- bzw. Ausgänge: 2 Stück

 Typenschild in der Splitterschutzzelle

Dywidag-Luftschutzzelle
für 2 – 3 Personen
Kennummer RL 3 – 41 / 63
Vertrieb gemäß § 8 Luftschutzgesetz genehmigt
Dyckerhoff u. Widmann, KG
Betonwerk Neuss am Rhein

Die folgenden Bilder zeigen die Splitterschutzzellen der Bauart Dywidag, wie sie noch heutzutage zu finden sind. Viel Spass...

     

Dywidag Splitterschutzzellen für 2-3 Personen in Nordhausen

      

Lufschutzzelle Dywidag bei Ibbenbüren                                                            Dywidag Splitterschutzzelle für 1-2 Personen in Hattingen  

Glück auf........................Bergmann / Lumenmann 2009

© untertage-übertage.de

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Splitterschutzzellen der Bauart Humerohr

(Allgemeine Informationen über Splitterschutzzellen gibt es in dem Bericht über die Dywidag-Zellen weiter oben...)

Liebe Freunde der Kleinbunker...

Und wieder mal was Neues aus der allseits beliebten Reihe der Splitterschutzzellen auf unserer Seite: Die dritte Folge zum Thema handelt über die Splitterschutzzelle der Bauart Humerohr. Der Hersteller dieser Luftschutzzellen, die Firma Humerohr GmbH, hatte ihren Sitz in der kleinen Stadt Doberlug-Kirchrain in Brandenburg. Die aus Stahlbeton bestehenden Splitterschutzzellen wurden als Set zu drei Teilen ausgeliefert und aufgebaut. Im Einzelnen bestehen die Luftschutzzellen aus einem zylinderförmigen Rundkörper, dem eigentlichem Schutzraum, dem kegelförmigen Dach und der Tür. Alle Teile wurden in einem Stück gegossen und erhielten eine ordentliche Portion Stahl (Bewehrung) als Verstärkung der Baukörper. Vor Ort wurden die Humerohr-Zellen auf einem Betonfundament aufgebaut. Die Zwischenräume, beziehungweise die Fugen des Rundkörpers zwischen der Bodenplatte und unter der Haube wurden zur Stabilität mit Zement-Mörtel gefüllt und glatt gestrichen. Das Innere des Schutzraums wurde häufig weiß gestrichen oder gekälkt, um ein freundlicheres Erscheinungsbild zu bieten. Führungschienen wie bei den Klöckner-Zellen oder den Dywidag-Zellen gab es bei der Bauart Humerohr nicht. Zum Schluss wurde die Tür in vorgefertigten Scharnierschlitze eingehangen und mit dem Zylinder verschraubt. Die Tür ansich bestand aus einem leicht gewölbten Beton-Formteil, welches in einem Stahlrahmen eingefasst war. In dem Stahlrahmen befanden sich die Scharniere und die Halterung der Türklinke. Die konisch verlaufende Türzarge in den betonierten Hauptbaukörper bestand ebenfalls aus Stahl und verjüngte sich von Außen nach Innen um gut sieben Zentimeter. In der Haube der Splitterschutzzelle war eine Mutter eingelassen. In das Gewinde der Mutter konnte der Transporthaken geschraubt werden. Damit die "Mutter" das Gewicht der Kappe überhaupt tragen konnte, erhielt diese mehrere angeschweisste Anker, die in den Beton mit eingegossen wurden. Nach dem Aufbau der Schutzzelle wurde der Transporthaken wieder entfernt und konnte erneut zum Einsatz kommen - meistens jedenfalls.

 Splitterschutzzellen der Bauart Humerohr

Die Geschichte der Firma Hume-Rohr (Humerohr)

Die Firma Hume-Rohr kann bereits auf eine lange Tradition zurück blicken. Bereits 1913 entwickelte der Engländische Ingenieur Hume ein revoulutionäres Verfahren zur Herstellung von Betonröhren, welches bereits heutigen Standards nahe kam. Der Vertrieb des neuartigen Schleuderverfahrens zur Herstellung von Betonröhren war derart erfolgreich, so dass schon bald weltweite Lizenzvergaben erfolgten. Das deutsche Reichspatent für Hume-Röhren wurde 1924 während der Weimarer Republik erteilt. Zu diesem Zeitpunkt waren in anderen Ländern bereits mehrere hunderttausende Kilometer Hume-Röhren verlegt worden. Die eigentliche Firma "Humerohr GmbH" wurde im Jahre 1923 aus der Firma"Charlottenburger Wasser- und Industriebetrieb" heraus gegründet. Der Begriff Humerohr stand schon bald stellvertretend für eine qualitativ hohe Betonröhre für den individuellen Einsatz. Zum Beispiel kamen die Humerohr-Betonrohre auch in den Rohrdeckungsgräben in Münster und im Münsterland zur Ausführung. Die Betonröhre eignete sich hervorragend zum Bau von "künstlichen" Luftschutzsplitterschutzstollen, wobei überwiegend die Rohre mit einem Durchmesser von 190, 200 und 220 Zentimeter zum Einsatz kamen. Die Firma Humerohr gibt es immer noch: Heute heißt sie Hume Beton GmbH und stellt nach wie vor Qualitäts-Beton-Rohre aller Arten her. 

 Gewinde für den Transporthaken

Zurück zur Beobachtungszelle: Laut dem Buch "Ein Mann Bunker" von Michael Foedrowitz wurden die Splitterschutzzellen der Bauart Humerohr vor allem in und an den Heeresmunitionsanstalten, überwiegend im ostdeutschen Raum und Polen aufgestellt. Die Humerohr-Zellen, die wir kennen, befinden sich alle im Großraum Wuppertal (NRW) und kamen bei der Reichsbahn zum Einsatz. Die Besonderheit dieser Splitterschutzzellen findet man in den Sehschlitzen. Auf die Stahleinfassung, die sich in den Sehschlitzen befanden, wurden von außen kleine perforierte Lochbleche geschraubt, angeschweißt oder vernietet. Diese rechteckigen Bleche waren mit 17 Löchern versehen. Somit waren auch die Sehschlitze des Beobachtungsbunkers gegen kleinste Splitter geschützt. Die Humerohr-Zellen gab es in den verschiedensten Größen - fangen wir hier mal mit der größten uns bekannten Version an:

Splitterschutzzelle der Bauart Humerohr für 7 Personen: 

 Humerohr-Zelle für 7 Personen mit beschädigter Tür

"Boah ey, ist der dick, man..." dachte wir uns, als wir zum ersten mal vor der Humerohr-Zelle für 7 Personen standen. Versteckt zwischen jungen Birken, auf einem verlassenen Bahngelände zwischen den nicht mehr vorhandenen Gleisen steht die bis dato größte jemals von uns gefundene Splitterschutzzelle. Wie alle Luftschutzzellen der Bauart Humerohr hat auch dieser Kleinbunker nur einen Eingang. Da ein Teil aus der Tür gebrochen war, konnte man gut die Armierungseisen im Beton erkennen. Die Splitterschutzzelle verfügte über vier Sehschlitze, wovon ein Beobachtungsschlitz samt Stahlfassung ausgebrochen war. Auch die markantesten Zeichen der Humerohr-Zellen, die Lochbleche und das Typenschild waren nicht mehr vorhanden. Bedauerlicherweise fanden auch schon andere Menschen diese SSZ und verwechselten den kleinen Bunker (versehentlich) mit einem Mülleimer - Leider konnte die Müllabfuhr aus technischen Gründen diesen "Mülleimer" nicht ausleeren.

 Luftschutzzelle Humerohr

Nach einem kurzen Maßband-Einsatz an der Luftschutzzelle für sieben Personen konnten folgende Daten ermittelt werden:

Außendurchmesser: 205 Zentimeter.
Innendurchmesser: 175 Zentimeter
Wandstärke: 15 Zentimeter
Höhe des Zylinders: 205 Zentimeter
Gesamthöhe: 260 Zentimeter
Stärke der Kappe: 21, 5 Zentimeter
Türöffnung außen: 85 x 65 Zentimeter
Türöffnung innen: 80 x 58 Zentimeter
Sichtscharte außen: 27,5 x 22 Zentimeter
Sichtscharte innen: 11,5 x 3,5 Zentimeter

In der Nähe dieser Splitterschutzzelle befinden sich auch noch zwei betonierte Ringstände auf dem Bahngelände. Die offenen Ringstände mit einer Wandstärke von etwa 50 Zentimetern boten dem Insassen eine guten Schutz gegen Tiefflieger-Beschuss.

 Ringstände in der Nachbarschaft zur SSZ

Splitterschutzzelle der Bauart Humerohr für 5 Personen: 

 Humerohr Splitterschutzzellen für 5 Personen

Die nächst kleinere Version dieser Luftschutzzellen war für eine Belegung von drei bis fünf Personen gedacht. Ein sehr gut erhaltendes Paar dieser Beobachtungsbunker befindet sich versteckt an einem Steilhang, der sich wiederum ebenfalls an einer Bahntrasse befindet. Da sich die direkt nebeneinander stehenden Splitterschutzzellen in sehr unwegsamen Gelände befinden, konnten wir also noch zwei schöne Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg vorfinden, komplett erhalten mit Lochblechen und Typenschilder. Das war das Stichwort - hier mal ein gut erhaltendes Typenschild aus einer Humerohrzelle: 

 Typenschild

Humerohr-Luftschutzzellen
für 3 - 5 Personen
Kenn-Nr. RL 3-39 / 153, Vertrieb gemäss
§ 8 des Luftschutzgesetzes genehmigt.

 Lochblech im Sehschlitz

Bei dem Typenschild der Humerohr-Luftschutzzelle handelt es sich um ein standartisiertes Metallschild, auf dem die jeweilige Personenanzahl auf eine kleine Freifläche eingestanzt werden konnte. Die Maße dieser LS-Zelle sind bis auf den Durchmesser und die Höhe mit denen der Schutzzelle für sieben Personen identisch. Der Innendurchmesser beträgt 140 Zentimeter und die Gesamthöhe beträgt bei dieser Ausführung 240 Zentimeter. Auch diese Humerohr-Zelle hat vier Sehschlitze zur Rundum-Beobachtung in Augenhöhe. Die perforierten Stahlbleche sind noch vorhanden und wie die Splitterschutzzelle an sich in einem guten Zustand, wovon ihr euch anhand des folgenden Fotos selber überzeugen könnt: 

     

Splitterschutzzellen vom Typ Humerohr in Cottbus (Fotos © "Flugplatzmuseum Cottbus") DANKE an dieser Stelle !!!

...wird fortgesetzt...

Dieser Text entstand am 11.09.09 als Gemeinschaftsproduktion von Bergmann und Eismann. Die Fotos wurden auch von Bergmann und Eismann geschossen. Unterstützung in Form von Recherchearbeiten und Kaffee in großen Mengen gab es von unserer Sekretärin Schlufine.

© untertage-übertage.de 2009

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Splitterschutzzellen der Bauart Klöcknerwerke AG.

Hallo liebe Leser unserer Homepage...!

Wir freuen uns nun endlich, Licht ins Dunkel dieser Splitterschutzzellen-Bauart zu bringen. Ich (Björn) weiß gar nicht mehr, wie viele Abende wir diskutierten, mutmaßten und Theorien aufstellten und am Ende standen nur noch mehr offene Fragen im Raum. Es war so gut wie unmöglich, an Informationen bezüglich der am häufigsten vorkommenden Splitterschutzzellen im Raum Osnabrück zu gelangen, da der Name des Herstellers so wie die Kenn-Nummer uns bis vor kurzem unbekannt waren. Auch brachte die Recherche im Netz bzw. in Büchern keinen nennenswerten Erfolg. Bis auf die gefundenen Fotos der geheimnisvollen Luftschutzzelle verliefen alle Bemühungen im Sande. Bis Kommissar Zufall uns zur Hilfe eilte. 

 Splitterschutzzelle in Ibbenbüren

Die unglaubliche Geschichte

An einem schönen sonnigen Tag, anfang Mai 2009, waren Markus und ich im Landkreis Osnabrück unterwegs um uns einige Relikte des hiesigen Luftschutzes anzusehen. Es war schon später Nachmittag als Markus meinte: „Ich kenne hier in der Nähe noch eine Splitterschutzzelle die kaum jemand kennt“ Ich antwortete: „Worauf warten wir noch?“. Gute zwanzig Minuten später waren wir vor Ort. Als wir der Luftschutzzelle näher kamen, war uns sofort klar, daß es sich wieder um eine der uns so vertrauten und dennoch unbekannte Bauart handelte, der wir schon häufiger mal im Osnabrücker Raum begegneten. Die aus Beton bestehende Tür, stand nur etwa 30cm weit offen. Wir machten einige Außenaufnahmen des Ein-Mann-Bunkers, bevor ich mich entschloss durch den mit Brennnesseln bewachsenen Spalt des Eingange zu schlufen. Getrieben von der Hoffnung im Inneren vielleicht ein Typenschild zu finden, wie es uns kurz zuvor bei einer Dywidag-Zelle gelang, machte ich mich auf den Weg. Im Inneren dann die Überraschung, es war wirklich ein von uns so sehnsüchtig erwartetes Hinweisschild vorhanden. Nur die Qualität in der sich das Typenschildchen befand, lies ein wenig zu wünschen übrig. Auf dem ersten Drittel des kleinen Schildes, waren noch Buchstaben schemenhaft zu erkennen. Das zweite Drittel erlitt aus irgendeinem Grund Totalschaden. In diesem Bereich war rein gar nichts mehr lesbar. Im letzten Drittel hingegen, waren alle Wörter mitsamt der für uns wichtigen Kenn-Nummer gut lesbar. Mein Aufenthalt im diesem Mini-Bunker dauerte zwecks Fotos und entziffern des Typenschildes ca. 45 Minuten. Dieses stellt meinen persönlichen Rekord in sachen Befahrung eines Kleinst-Bunkers dar. 

 Typenschild in einer Luftschutzzelle

Eigentlich müsste die Geschichte hier jetzt enden, wäre da nicht Kommissar Zufall. Die neu gewonnenen Erkenntnisse über die Osnabrücker Splitterschutzzellen ließen unsere Recherchen neu anrollen. Und wir beschlossen die uns bekannten Standorte dieses Luftschutzzellen-Typs erneut abzugrasen, um die zum Teil alten Fotos durch neue Bilder zu ersetzen. Gut eine Woche nachdem wir das schlecht erhaltene Typenschild in einem Brandwachenstand fanden, folgte der nächste Volltreffer. Ich war gerade damit beschäftigt eine Detailaufnahme im Innern einer weiteren Splitterschutzzelle der Firma Klöcknerwerke AG auf ihre Schärfe hin zu überprüfen, als mir auffiel, was sich noch auf den Foto befand. Ohne es zu wissen, versteckte sich ein Teil einer alten Wandbeschriftung Im Innenraum des Beobachtungsbunkers. Das Lustige an der Geschichte ist, wenn man die Splitterschutzzelle befährt, erkennt man im Normalfall nichts von den Resten der Innenbeschriftung. Leuchtet man aber im richtigen Winkel die Innenwand der Splitterschutzzelle an, wird die innenliegende Typenbeschriftung sichtbar. Wie man anhand der folgenden Fotos erkennen kann, handelt es sich hierbei um eine Luftschutzzelle der Bauart Klöckner. 

 Beschriftung original

 Beschriftung bearbeitet

Klöckner Werke AG Osnabrück
Fassungsvermögen 1-2 Personen
Baustoff: Stampfbeton
Baujahr: 1944
Gewicht: ca 10t
 

 Eiche mit Bunker, Osnabrück

 Rest einer Luftschutzzelle

Verwendungszweck von Splitterschutzzellen:

Bei Splitterschuftszellen handelt es sich um die kleinsten Bunkeranlagen, die während des zweiten Weltkrieges erbaut worden sind. Splitterschutzzellen werden auch "Einmannbunker", genannt obwohl die Klein-Bunker nicht bombensicher erbaut worden sind. Sie waren nur splitter- und schusssicher. Diese Schutzzellen wurden überall dort aufgestellt, wo einzelne oder verlassene Arbeitsplätze wie zum Beispiel Schrankenwärter oder Luftschutzwarner ihren Arbeitsplatz hatten. Zusätzlich waren die Splitterschutzzellen auch in Industriegebieten und Gegenden ohne öffentlichen Sammelschutzraum zu finden. Diese Einmann-Bunker waren auch nicht Gassicher konstruiert, so dass der Insasse sich mit einer Gasmaske helfen musste. Die ersten Splitterschutzzellen bestanden aus zusammengeschweißten Stahlplatten mit einer Stärke von 2-3 Zentimetern. Aus Kosten- und Transportgründen setzten sich aber ab 1941 die Splitterschutzzellen aus Beton durch. Diese Kleinstbunker gab es in den verschiedensten Ausführungen, unter Anderem auch die hier vorgestellte Bauart „Klöckner“, die aus Stampfbeton hergestellt wurde. 

 Beton-Fertigteile, Osnabrück

 leichte Bauausführung

 Loch zur Steckverbindung

Splitterschutzzelle der Bauart „Klöckner“:

Diese Bauart wurde in den uns bekannten Fällen mit einer Wandstärke von 40 Zentimetern hergestellt. Für Splitterschutzzellen eine beachtliche Wandstärke, wo doch die meisten anderen Bauarten durchschnittlich eine Wandstärke von 15 cm. hatten. Es gibt allerdings auch eine leichtere Version dieser Bauart mit einer Wandstärke von 25 Zentimetern (Kenn-Nummer RL 3-43 / 31). Diese „leichtere“ Bauart der Splitterschutzzellen bestanden aus drei Fertig-Betonteilen zudem noch ein vor Ort gegossenes Fundament gehörte. Die stärkere Bauart bestand aus fünf einzelnen Bauteilen und natürlich auch dem Betonfundament, mit dem die Luftschutzzellenteile mittels vier 40 Millimeter starken Rundeisen verbunden worden sind. Die Arbeitsfugen zwischen den Beton-Fertigteilen wurden mit Mörtel versehen und übereinander gestapelt, wobei jedes der Betonringe die vorgefertigten Führungslöcher passen musste. (Ähnlich wie mit den Lego-Steinen, nur aus Beton...)

Das unterste Betonteil wurde mit jeweils drei gleichgroßen Betonringen aufgestockt. Die einzelnen Elemente haben eine Höhe von 60 Zentimetern. Die leicht gewölbte Abschlusskappe des Stehbunkers hat eine Stärke von ca. 50 Zentimetern. Beide Bauarten der Klöckner-Zelle waren für 1-2 Personen vorgesehen. Der Innenraum der von uns ausgemessen Splitterschutzzelle in Osnabrück hat eine Größe von 1.85 Metern in der Höhe und einen Durchmesser von einem Meter. Ohne (private) Bauwerksverstärkung betrug die Gesamthöhe 2.30 Meter. Das Gewicht, ohne das Fundament, der starken Bauart beträgt etwa 10 Tonnen. Diese Kleinstbunker waren mit sechs Sehschlitzen zur Rundum-Beobachtung ausgestattet. Die Sehschlitze waren mit einer Blende aus Stahl versehen. Dieses Verschlusssystem diente den Insassen zum Schutz vor Beschuss durch Tiefflieger oder Ähnlichem.

Der Schartenverschluss war mittels Ketten oder Bändern versehen und konnte bei Bedarf in den Sichtschlitz gezogen werden. Die trichterförmig zulaufenden Sichtscharten haben außen eine Abmessung von 15 x 40 cm. und verjüngen sich im Innenbereich auf 1 x 10 Zentimetern. Wie bei anderen Splitterschutzzellen auch, hatte die Klöckner-Zelle nur einen Zugang. Auch die aus Beton bestehende Eingangstür hatte eine Stärke von 40 Zentimetern. Die Zugangsöffnung hat eine Größe von 62 x 74 Zentimetern. Die Türen der Osnabrücker Splitterschutzzellen konnten von Innen, sowie von Außen verriegelt werden. Die Klöckner-Zelle in Ibbenbüren (RL Nummer 3-43 / 41)  zum Beispiel wurde mehrfach mit einem großen, wirklich großen Radlader bearbeitet, weshalb sie einige äußerliche Kratzer aufweist, ansonsten aber noch gut in Schuss ist. Auch eine gesprengte Zelle dieser Bauart steht immer noch aufrecht. (Die Splitterschutzzelle ist so standfest, wie es sich so manche Frau wünschen würde – und das nach über sechzig Jahren...) 

 Scharten-Verschluss, außen

 Schartenverschluss innen

 Eingang zur LS-Zelle

Geschichte der Firma Klöckner:

Die Gesellschaft kann auf eine lange Firmentradition zurückblicken. Gemeinsam mit seinem Bruder Florian gründete Peter Klöckner 1906 ein Eisen- und Stahlhandelsunternehmen in Duisburg, aus dem die spätere Klöckner & Co hervorging. Ihr besonderes Augenmerk galt maroden Unternehmen, an denen sie sich die Kapitalmehrheit sicherten, bevor sie sie erfolgreich sanierten. Hierzu zählten insbesondere Hüttenwerke, Kohlezechen und Erzgruben.1923 fusionierte Klöckner alle ihm gehörenden Stahlbeteiligungen an dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein in Georgsmarienhütte bei Osnabrück, an den Eisen- und Stahlwerken in Hagen-Haspe, an den Mannstaedt-Werken in Troisdorf sowie den Eisen- und Drahtindustrie in Düsseldorf zur Klöckner-Werke AG Rauxel-Berlin in Castrop-Rauxel. 1926 lehnte Klöckner es ab, seine Firma in die Vereinigten Stahlwerke einzubringen. Er zog es vor, unabhängig zu bleiben.Während des Zweiten Weltkrieges produzierte Klöckner neben Eisen- und Stahlprodukten in Georgsmarienhütte und Hagen vor allem Rüstungsgüter in Köln.

Dabei hielten in der Hasper Hütte sehr viele aus Osteuropa und Frankreich verschleppte Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und italienische Militärinternierte die Produktion aufrecht.Auf alliierten Beschluss wurden die Klöckner-Werke 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg liquidiert. Das bedeutete jedoch nicht das Ende der Unternehmen. Die Hasper Hütte produzierte beispielsweise weiter unter alliierter Kontrolle. Ab 1952 wurden die einzelnen Bergwerks- und Eisen-Stahl-Unternehmen allmählich unter der Holding Nordwestdeutsche Hütten- und Bergwerksvereins AG wieder zusammengefasst. Die Verbindungen zwischen der Klöckner-Humboldt-Deutz AG und der neuen Holding wurden entflochten.1954 firmierte die Nordwestdeutsche Hütten- und Bergwerksvereins AG wieder unter ihrem alten Namen Klöckner-Werke AG. Hauptaktionär wurde die N.V. Internationale Industriele Beleggingmaatschappij Amsterdam in Voorburg, hinter der die Familie Günther Henle als Eigentümer stand. Zahlreiche ehemals zum Konzern gehörende Unternehmen wurden wieder unter die Leitung der Klöckner-Werke gestellt.

Ebenfalls 1954 begannen die Klöckner-Werke mit dem Kauf von Grundstücken in Bremen auf denen 1957 ein integriertes Stahlwerk aus Hochofen, Stahlwerk, Warmbreitbandwalzwerk und Kaltwalzwerk seine Produktion aufnahm.Während der 1960er Jahre expandierte der Konzern im Bereich der Kunststoffverarbeitung und im Maschinenbau. So begann Klöckner die Produktion von Kunststoffhartfolien bei Klöckner Pentaplast in Montabaur. Die Kunststofffolien waren ein solcher Erfolg, dass Klöckner 1979 in den USA ein Zweigwerk eröffnete. Im gleichen Jahr stieg der Konzern mit dem Kauf von Holstein und Kappert in die Getränkemaschinenproduktion ein. Auch in der Abfüll- und Verpackungstechnik und der Automotivesparte engagierte sich Klöckner.Noch 1977 griff der Klöckner-Konzern nach der bayrischen Maxhütte und erhielt nicht geringe öffentliche Subventionen. Gemeinsam wurde 1980 das Klöckner-Maxhütte-Stahlherstellungsverfahren (KMS-Verfahren) entwickelt. Aber bereits zwischen 1972 und 1978 wurden in Hagen-Haspe die Kapazitäten infolge der Stahlkrise stillgelegt.In der Stahlkrise der späten 1970er und frühen 1980er Jahre hielt sich Klöckner nicht an die innerhalb des Stahlkartells Eurofer 1 vereinbarten Produktionsquoten und erstritt sich vor Gericht höhere.

Dafür wurden die Klöckner-Werke aus der Wirtschaftsvereinigung Eisen und Stahl ausgeschlossen. Das Management gliederte den Stahlsektor aus dem Unternehmen unter der Firmierung Klöckner Stahl GmbH aus.In den frühen 1990er Jahren geriet Klöckner in eine tiefgreifende Krise. Angesichts der Stahlkrise verdiente der Konzern nicht mehr so gut wie in den „goldenen 1960er Jahren“. Die Deutsche Bank als Hausbank des damals selbständigen Konzerns entsandte Karl-Josef Neukirchen als Sanierer, da die gesamte Gruppe angesichts der Stahlkrise zu kollabieren drohte. 1994 verschwand die Georgsmarienhütte im Wege des Management-Buy-outs aus dem Klöckner-Konzern, während die Klöckner Hütte Bremen an den belgischen Cockerill-Sambre Konzern verkauft wurde. Das Ende der Maxhütte zog sich länger hin.Bis 1994 wurde das investitionsträchtige und durch Konjunkturschwankungen risikoreiche Geschäft in der Automobilzuliefererbranche verkauft. Stattdessen wurde in die renditeträchtigere Foliensparte investiert.Ende 2001 wurde die Klöckner-Werke AG ein Konzernunternehmen der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz-AG in Frankfurt am Main, die ca. 68 % der Stimmrechte hielt.

Nach der Insolvenz der Konzernmutter verkaufte deren Insolvenzverwalter ca. 78% der Aktien an der Klöckner Werke AG an die Salzgitter AG. Seit Februar 2009 hält die Salzgitter AG 95% der Aktien. Der Klöckner-Werke-Konzern konzentriert sich heute auf seine industriellen Aktivitäten im Bereich des Anlagenbaus. Das Segment Abfüll- und Verpackungstechnik besteht aus den Unternehmen der KHS-Gruppe, welche weltweit tätig sind und zentral von Deutschland aus geführt werden. KHS plant, baut und installiert komplette Getränkeprozess-, Filtrations- und Abfüllanlagen für die Getränke- und Nichtgetränkeindustrie. KHS ist weltweit unter den Marktführern.Der Bereich Sonstige Industriebeteiligungen besteht aus den Unternehmen Klöckner DESMA Schuhmaschinen (KDS), Klöckner DESMA Elastomertechnik (KDE), REMAK sowie Klöckner Hänsel Processing (KHP). Hergestellt werden Gummispritzgießmaschinen (KDE), Schuhmaschinen (KDS), Robot- und Automatisierungssysteme für Kunststoffmaschinen (REMAK) sowie Prozessmaschinen für die Süßwarenindustrie (KHP).

(Quelle: Wikipedia)

Zum Klöckner-Konzern gehörte auch die für uns wichtige, in Georgsmarienhütte ansässige Eisenhütte. Neben der Stahlindustrie gehörten auch die Piesberger Beton-Werke, die Eisenerzbergwerke im Hüggel, sowie Anteile der Steinkohlenzechen in Osnabrück und Ibbenbüren zum Klöckner-Konzern. Neben den Splitterschutzzellen stellte das Eisenwerk auch noch andere kriegswichtige Güter her. Auch in der U-Verlagerung „Schlammpeitzger“ (siehe unter U-Verlagerungen) war die Firma Klöckner untergebracht.

    

  Bad Iburg                                                                                                                         Ibbenbüren (1)

    

  Georgsmarienhütte                                                                                                       Osnabrück

    

  Hilter                                                                                                                                 Ibbenbüren (2)

  

  Osnabrück Dodesheide

Oben: Splitterschutzzellen der Bauart Klöcknerwerke im Großraum Osnabrück Kenn-Nummer RL 3-43 / 41

Und hiermit endet auch schon unsere kleine Geschichte über die Splitterschutzzellen der Bauart Klöckner. Wir hoffen , daß wir mit diesem Bericht ein paar Puzzle-Teilchen zur sehr komplexen Thematik über Luftschutzzellen beitragen konnten. Weitere Informationen zu Luftschutzanlagen im Großraum Osnabrück findet ihr auf den Seiten:

www.osnabruecker-unterwelten.de

www.luftschutzbunker-osnabrueck.de

Die Kollegen Hauke Haubrock, Andreas O`Brian und Holger Raddatz haben vorbildliche Arbeit zum Thema Luftschutz in Osnabrück geleistet. Außerdem ist gerade eben ein interessantes Buch zum Thema erschienen. Grüße an dieser Stelle, wir sehen uns...

Die verbunkerte Stadt: Luftschutzanlagen in Osnabrück und Umkreis
Books on Demand-Verlag, 2009
ISBN: 9783837075458

Rechte:

Hauptdarsteller: Die Luftschutzzellen Bauart Klöcknerwerke AG. im Großraum Osnabrück und Ibbenbüren.
Splitterschutzzellen-Süchtig waren (und sind es immer noch): Björn, Markus, und Olly
Verpflegung: Elke, Markus
Recherchen: Björn, Elke, Markus, und Ochel
Fotos: Björn, Markus
Text: Björn und Olly
Online-Arbeit: Björn, Olly 

  und tschüss...

Eine Produktion von © www.untertage-übertage.de 2009

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Splitterschutzzellen der Bauart Mannesmann

Gesamtmetallschutzzellen…

Gerade die aus Metall gefertigten Originalfabrikate von Ein-Mann-Bunkern aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges sind heutzutage eine ausgesprochene Rarität geworden. Sie wurden in den verschiedensten Varianten und von den unterschiedlichsten Metallverarbeitenden Unternehmen in Europa hergestellt und angeboten. Zwei weitere Beispiele neben den hier vorgestellten Mannesmann-Gesamtmetallzelle sind die Dortmunder Firmen, C.H. Jucho, dessen freistehende Schutzzelle die Kennummer RL 3-37/225 besaß oder die Dortmund-Hoerder Hüttenverein AG, dessen Luftschutzzellen die Kennummer RL 3-38/153 bekamen. Der Anteil von Splitterschutzzellen aus Metall war bis zum Kriegsbeginn am 1. September 1939 Relativ hoch, die Produktion sank jedoch stetig im Verlaufe der bewaffneten Auseinandersetzungen. Dies ist hauptsächlich auf zwei Faktoren zurück zu führen. Ein Grund hierfür war, der immer größer werdende Bedarf des Rohstoffs Eisen, welcher nun verstärkt zur Waffenproduktion in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden musste. Ein weiterer Grund ergab sich, nach dem deutlich wurde, dass die aus Metall gefertigten Luftschutzzellen, dessen Konstruktion noch auf Erfahrungswerte des ersten Weltkriegs basierte, nicht mehr ausreichenden Schutz gewährleisteten. Um das Schutzniveau von Metallschutzzellen aufzuwerten, sollten diese nachträglich mit einer ca. 25 Zentimeter starken Betonschicht ummantelt werden, was jedoch nur relativ selten durchgeführt wurde. Im Ressourcenmangel der Nachkriegszeit wurden die aus Metall bestehenden Luftschutzzellen häufig verschrottet, da sie mehr als eine halbe Tonne hochwertigen Stahl lieferten und es für sie keinerlei Verwendung mehr zu geben schien.

Mannesmann Luftschutzzellen im Detail…

So ist auch die Gesamtmetallschutzzelle der Firma Mannesmann-Röhren-Werke AG eine absolute Seltenheit unter den Splitterschutzzellen geworden. Das Model „RL 3-38/44“ von Mannesmann wurde vor dem Krieg in zwei verschiedenen Größen und mit zum Teil unterschiedlicher Ausstattung dem Kunden angeboten. Die vier aus gebogenem Stahlblech bestehenden Hauptelemente des Zellenkörpers, wurden elektrisch miteinander verschweißt. Als Werkstoff kam das SM-Stahlblech St 52 zur Verwendung. Zur Einrichtung beider Zellentypen gehörte eine relativ große und dadurch bequem zu begehende Tür, welche von außen wie auch von innen verschlossen oder geöffnet werden konnte. Des weiteren verfügten beide Größen über eine recht stabile Transportöse auf der Kappenoberfläche. Sie ermöglichte das Problemlose anheben und aufstellen des kleinen Schutzraums. Das Innere der LS-Zellen wurde mit einem Sitz (auf Kundenwunsch auch mit zwei Sitzen) und einem in der Kuppel eingearbeiteten Haltegriff eingerichtet. Zur Befestigung auf dem Untergrund erhielt die kleine Zelle vier, und die große Version acht Anbindepunkte, die durch 1 1/8 Zoll starken Bolzen verankert werden sollten. Nur die große Ausführung der Mannesmann „Metallglocke“ beinhaltete die Komponenten eines Mannlochs, (Notausstieg) dessen kräftiger Innenverschluss durch zwei Doppelriegel und Überwurfmutter gesichert war. Des weiteren gehörten zur Ausstattung, zwei im Zellenkopf untergebrachte Lüftungslöcher, die mittels Splitterschutztellern gesichert waren, so wie Sehschlitz-Verschlussschieber. Das Beobachtungsfeld von beiden Mannesmann-Luftschutzzellentypen umfasste 360° Rundumsicht um den Standort. Das Fabrikat galt vor Kriegsbeginn als Widerstandsfähig gegen Bordwaffenbeschuss aus der Luft, Granatsplitter, schwere Brandbomben und in der Nähe einschlagender Brisanzgeschosse. So sollte die Kegelform des Stahlmantels, ähnlich wie bei Winkeltürmen, ein abgleiten von Flugzeuggeschossen oder Granatsplittern bewirken. Die im Kriegsverlauf rasante Weiterentwicklung der Waffentechnik wurde wie oben beschreiben jedoch nicht berücksichtigt…

Die Mannesmann Bauweise in Zahlen…

Kleine Mannesmann Ausführung 

Kennnummer: RL 3-38/44
Durchmesser am Zellenfuß: 1,2 Meter
Durchmesser in einer Höhe von1,6 Meter: 0,8 Meter
Gesamthöhe: 1,95 Meter
Wandstärke: 10 Millimeter
Tür, Breite: 45 Zentimeter
Tür, Höhe: 1,3 Meter
Die untere Kante des Türrahmens ist 10 Zentimeter hoch
Sehschlitze: 4 Stück / 360° Beobachtungsradius
Sehschlitze: ca. 18 Zentimeter lang und 10 Millimeter hoch
Befestigungspunkte am Boden: 4 Stück
Ankerplatten: 10x10 Zentimeter / Bohrung 25 Millimeter
Zellenkörper bestehend aus 4 Hauptelementen + Tür
Werkstoff: SM-Stahlblech St 52
Gewicht: ca. 600 Kilogramm

Große Mannesmann Ausführung

Kennnummer: RL 3-38/44
Durchmesser am Zellenfuß: 1,45 Meter
Durchmesser in einer Höhe von 1,55 Meter: 1,10 Meter
Gesamthöhe: 2,15 Meter
Wandstärke: 10 Millimeter
Tür, Breite: 50 Zentimeter
Tür, Höhe: 1,45 Meter
Die untere Kante des Türrahmens ist 10 Zentimeter hoch
Sehschlitze: 4 Stück / 360° Beobachtungsradius
Sehschlitze: ca. 18 Zentimeter lang und 10 Millimeter hoch
Befestigungspunkte am Boden: 8 Stück
Ankerplatten: 10x10 Zentimeter / Bohrung 30 Millimeter
Werkstoff: SM-Stahlblech St 52
Gewicht: ca. 800 Kilogramm

Zum verwendetem Stahl: die Abkürzung „SM-Stahlblech St 52“ steht für:

„SM“ steht für Siemens-Martin-Stahl
„St“ steht für Baustahl
„52“ steht für eine Mindestzugfestigkeit von 520 N/mm²

Rechte:

Im Osnabrücker-Land unterwegs waren - Björn, Markus & Senta
Fotos & Text - Björn
Recherche - Björn & Micha
Fahrer & Luftschutzstollen-Finder - Markus
Vermessungsarbeiten an der Mannesmann-Splitterschutzzelle - Björn & Markus
Riss, Zeichnung - Niemand
Online-Stellung - Björn & Olly
Informationsgewinnung - Das Buch „Ein Mann Bunker“ (Michael Foedrowitz) sowie Archivunterlagen
Anmerkung - Nach drei infolge verfasster Berichte sieht mein Schreibtisch nun aus wie Dresden 1945…
Präsentiert von - ©www.untertage-übertage.de 2012

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Splitterschutzzellen der Bauart Westermann & Co 

 Splitterschutzzelle im Schnee

Ein weitere Luftschutz-Splitterschutzzelle war das Fabrikat der Firma Westermann & Co. aus Broistedt, einem Stadtteil von Lengede in Niedersachsen. Sie wurde vornehmlich in den Jahren 1942 bis 1944 hergestellt. Das Hauptverbreitungsgebiet der Westermann-Zellen liegt im Bereich Norddeutschlands. Aber ebenso in den anderen Bundesländern kam die Westermann-Zelle zu Aufbau und ist noch heute vereinzelnt zu finden. Genau wie bei den Bauarten Klöcknerwerke AG, Moll, Humerohr oder Engel & Leonhardt gilt, je näher man sich an den Produktionsstandort annähert, desto größer wird die zahlenmäßige Dichte des Luftschutzzellentyps in der jeweiligen Region. Die aus Stahlbeton gefertigte Brandwachenbauart erhielt gemäß dem § 8 des Reichsluftschutzgesetz (RL) die Kenn-Nummer RL 3- 42 / 209. Im Inneren der Luftschutzzelle war vorschriftmäßig das Typenschild mit den Herstellerdaten angebracht. Bei der Bauart Westermann bestand das Typenschild häufig aus emalliertem Blech oder Metall. Ein gut erhaltenes Exemplar wird auf dem nun folgendem Bild gezeigt: 

Typenschild Westermann & Co

Westermann & Co.
Betonwerk
Broistedt
Fassungsvermögen 1-2 Personen
Kenn.-Nr. RL 3- 42 / 209 

 Eismann bei der Arbeit

 Splitterschutzzelle Westermann

Splitterschutzzellen „Westermann & Co“ im Detail:

Das auffälligste Erkennungsmerkmal von Splitterschutzzellen der Bauart Westermann, ist die parabelförmige Abschlusskappe des Baukörpers. Ausgelegt für 1-2 Personen kam der Kleinstbunker auf die äußeren Abmessungen von 3 Metern Höhe, und einem Durchmesser von 1,5 Metern. Die Insassen schützte eine 20 Zentimeter dickes Stahlbetonrohr vor Trümmerflug, Bombensplittern, Brandmunition und Detonationsdruck. So ergeben sich die inneren Masse mit einer Höhe von 2,25 Metern und einem Durchmesser von 1,1 Meter. Um dem Beobachter eine 360° Rundumsicht zu ermöglichen, erhielt die Brandwache sechs Sehschlitze in einer Höhe von 1,70 Metern. Die Beobachtungsschlitze wurden Baulich so konzipiert, dass sich die einzelnen Gesichtsfelder der Scharten überschnitten. Dieses wurde erreicht indem sich die äußeren Maße der Sehschlitze von 24 x 10 Zentimeter auf 10 x 0,5 Zentimeter nach innen verjüngten. Oftmals wurden die Westermannzellen mit einem Transporthaken ausgestattet. Zum sicheren Stand wurde sie auf ein Betonfundament gestellt. Dieses sollte die Bunkerzelle gegen das Umkippen schützen. Neben dem Hauptzugang (100 x 47 Zentimeter), besitzen die Westermann- Luftschutzzellen noch einen kleinen Notausstieg (36 x 36 Zentimeter). Er sollte den Insassen die selbstständige Befreiung aus der Brandwache in jeder Situation garantieren. Beide Türen des Mini-Bunkers konnten von Innen und Außen geöffnet sowie geschlossen werden. Wie alle LS-Zellen war auch die Westermannzelle nicht gassicher, so daß sich die Insassen mittels Gasmasken helfen mussten. Diese „Ein-Mann-Bunker“ gab es in verschiedenen Größen für 1-4 Personen. Auch bei dem Betonwerk Westermann mussten Zwangsarbeiter die körperlich schwere Arbeit für staatliche und private Auftraggeber erledigten. Etwa 50 Kriegsgefangene, überwiegend aus Frankreich stammend, leisteten die Einschal-, Armierungs- und Betonarbeiten für das Unternehmen Westermann & Co. Die Ausnutzung von Zwangsarbeit war im Dritten Reich weit verbreitet, und wurde in fast allen Großunternehmen praktiziert. Besonders markaber war die Tatsache, dass tausende Zwangsarbeiter im Luftschutzraumbau eingesetzt wurden, selbst aber keinen Schutz vor Luftangriffen erhielten. Dieses traurige Beispiel zeigt, welchen Stellenwert das menschliche Leben zu jener Zeit einnahm...

Ermittelte Abmessungen der Luftschutzzellen „Westermann“:

Höhe außen (Gesamthöhe): 300 Zentimeter
Außendurchmesser: 150 Zentimeter
Wandstärke: 20 Zentimeter
Höhe innen: 225 Zentimeter
Innendurchmesser: 110 Zentimeter
Sehschlitze: 6 Stück
Sehschlitze außen: 24 x 10 Zentimeter
Sehschlitze innen: 10 x 0,5 Zentimeter
Tür außen: 105 x 65 Zentimeter
Tür innen: 100 x 47 Zentimeter
Notausgang: 36 x 36 Zentimeter 

       

Hauptzugang der Westermann Zelle (außen)                                                         Notausstieg (innen)

     

Türverschluss                                                                                                                 Notausstieg (außen)

     

Sehschlitz                                                                                                                         Denkmal...

Wintertour im Bergischen Land:

Anfang März 2010 besuchten wir ein kleines Örtchen irgendwo im Bergischen Land. Nach unserer Information sollte sich dort eine Splitterschutzzelle der Bauart Westermann & Co befinden. So war es dann auch, nur dass wir auf dem Gelände eines Metall verarbeitenden Betriebes drei Luftschutzzellen dieses Typs vorfanden. Um so besser, dachten wir und beschlossen uns erst mal zu stärken. Nur einige Meter weiter befand sich der örtliche Schnellimbiss, welcher nun Besuch von vier hungrigen Bunkersportlern bekam. Nach mehreren Tassen Kaffee und zahlreichen richtig geilen Spezial-Hotdogs (sehr zu empfehlen), kümmerten wir uns wieder um den hiesigen Luftschutz. Das ehemalige Press,– Stanz,– und Ziehwerk, auf dessen Gelände wir uns genauer umsahen, stellte im Zweiten Weltkrieg unter Anderem auch Stahlhelme für die Wehrmacht her. Alls Werksluftschutz für die Mitarbeiter dienten drei Luftschutzzellen vom Fabrikat Westermann, sowie ein in der Nähe befindlicher Luftschutzstollen. Die Splitterschutzzellen wurden in einem Abstand von ca. 40 Metern entlang der Gebäudefront aufgestellt. Alle drei Zellen befinden sich auf Privatgelände und wurden unter Denkmalschutz gestellt. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals bei den netten Anwohnern bedanken, die uns zwei Stunden auf ihrem Grundstück ertragen haben und uns wertvolle Hinweise gaben. Der LS-Stollen ist übrigens Vermauert, und in der Fledermausschutzzeit sollten solche Anlagen eh nicht befahren werden.

Splitterschutzzellen des Typs Westermann

     

     



Rechte

Extrem-Betonzellen-Terror von: Bergmann, Eismann, und Lumenmann
Fotoberichterstattung © by: Bergmann, Eismann und Lumenmann
Text und Onlinestellung – Bergmann & Eismann
© untertage-übertage 2010 „merkste selbst, woll“